Max Franz, der letzte Kurfürst von Köln

Im Stroofzimmer direkt links vom Eingang hängen zwei Originalblätter aus der Zeit der Kölner Kurfürsten. Das erste Blatt erinnert an Clemens August, das zweite enthält einen Bericht über die Aufhebung des Zunftzwanges und ist Max Franz, dem letzten Kurfürsten von Köln, zuzuordnen. Max Franz war der jüngste Sohn von der Kaiserin Maria Theresia und von 1784 bis 1794 Erzbischof und Kurfürst von Köln.
Die Haupt- und Residenzstadt von Kurköln war seit 1597 Bonn. Die Herrlichkeit Vilich auf der rechtsrheinischen Seite gehörte seit dem späten Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert zum Kurfürstentum Köln. Im Gegensatz zu Clemens August (1723-61 ),der prächtige Bauten errichten ließ und eine aufwendige Hofhaltung pflegte, darf Max Franz als Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus gelten.
Rudolf Zerwall schreibt in seinem Büchlein „ Kleine Bonner Stadtgeschichte“ auf S. 63 über Max Franz : „ Er ist ein tüchtiger, sparsamer und persönlich anspruchsloser Herrscher. Er wohnt in einem Privathaus und geht zu Fuß in schlichtem schwarzen Rock durch die Straßen seiner Residenz.

Max Franz hatte in Wien Theologie und Philosophie studiert und erhielt später die Priester- und Bischofsweihe. Er übte seine geistlichen Aufgaben auch gewissenhaft aus und feierte häufig die heilige Messe selbst. Das Bildungswesen lag Max Franz besonders am Herzen. Er gründete Schulen wie die Normalschule (Volksschule), die Stadtschule, (eine höhere Schule) und erhob die von Kurfürst Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels gegründete „Maxische Akademie“ zur Universität. Er richtete die Lesegesellschaft ein, kurz „Lese“ genannt, für literarisch Interessierte. Im Lesezimmer im Rathaus lagen entsprechende periodische Schriften aus, die sich der einzelne oft nicht leisten konnte. Bei der sehr hohen Aufnahmegebühr blieb die Lesegesellschaft jedoch ein Ort für den Adel und das Bürgertum.

Auch der Komponist Ludwig van Beethoven wurde von Max Franz gefördert. Er schickte ihn zur Weiterbildung nach Wien.

Im Jahr 1794 musste der letzte Kurfürst seine Bonner Residenz verlassen. Er floh mit seinem Gefolge vor den Franzosen auf die rechte Rheinseite und übernachtete im Mylendonker Hof in Limperich. Als Folge des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurden die rechtsrheinischen Territorien Kurkölns säkularisiert.

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Quelle: Rudolf Zewell: Kleine Bonner Stadtgeschichte, Regensburg 2007

Text: Hildegund Ferdinand