Der römische Weihestein

Im „Römerzimmer“ des Steinhauses ist die neu erworbene Kopie eines römischen Weihesteins zu bewundern. Der Stein stammt aus der Immunitätsmauer des Stiftes Schwarzrheindorf.

Der ursprüngliche Aufstellungsort ist ungeklärt. Die Inschrift ist in einen Sandsteinblock eingemeißelt. Leider ist der Stein beschädigt Er ist noch 19cm hoch, 41 cm breit und 22 cm tief. Der obere Teil der Inschrift fehlt, es sind nur die unteren vier Zeilen erhalten. Wegen der Beschädigung der linken Seite ist der erste Buchstabe jeder Zeile nur noch teilweise zu lesen oder fehlt ganz. Durch wissenschaftliche Vergleiche hat man den Text ergänzen können.

(Ergänzungen in Klammern ). Der vervollständigte Text lautet.
[—-]

[ . ]ONNA ET CANABE (nses)

[ P ]RO SE ET SVIS V(otum) S(olverunt)L(ibentes M(erito)

[G]RATO ET SELEVCO

CO (n)S(ulibus)

Das Ende der ersten lesbaren Seite gibt Auskunft über die Weihenden. Sie benennen sich nach ihrem Wohnort der „canabae legionis“, der Lagervorstadt. Sie erstreckte sich südlich von dem Bonner Legionslager. Der Text sagt weiterhin, dass die Weihenden ihr Gelübde gern und nach Gebühr eingelöst haben. Den Inhalt des Gelübdes erfährt man nicht. Die letzten beiden Zeilen geben die Datierung an. Gratus und Seleucus waren im Jahr 221 n. Chr. Konsuln. Man vermutet, dass der Stein von der linken Rheinseite stammt und mit einer Ladung Abbruchmaterial des Bonner Römerlagers zum Bau des Stiftes auf die rechte Rheinseite gekommen ist.

Der Inschriftenstein aus Schwarzrheindorf gehört in eine Reihe weiterer bemerkenswerter römischer Fundstücke auf der rechten Rheinseite.

Die römische Armee kontrollierte einen breiten Uferstreifen rechtsrheinisch. An der Siegmündung wurde ein Inschriftenstein (Mendener Stein) gefunden, der auf die Viehweiden der Legion an dieser Stelle hinweist.

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Ein Foto im Römerzimmer unseres Museums zeigt eine Kopie des Mendener Steines; das Original steht im Landesmuseum. Eine Kopie des Steines schenkte der Heimatverein Beuel dem Stadtbezirk Beuel anlässlich der 2000-Jahr-Feier Bonns im Jahr 1989. Ein weiteres Foto im „Römerzimmer zeigt die Kopie des „Beueler Weihe-steins“(sein Original steht auch im Landesmuseum) Die lateinische Inschrift berichtet vom römischen Sieg über die Germanen und dankt den Göttern dafür. Die Datierung weist das Jahr 229 n. Chr. aus. Der Stein wurde 1898 beim Bau der Kaplanei auf der heutigen Hermannstraße 31 gefunden. Eine Kopie des Steines und seine Aufstellung vor der Kirche St. Josef (in der Nähe seines Fundortes) schenkte der Heimatverein mit Unterstützung der Sparkasse Bonn 1983 dem Stadtbezirk Beuel.

Neben den hier besprochenen Exponaten gibt es noch weitere Zeugnisse der Römer auf dem rechten Rheinufer der heutigen Stadt Bonn.

Berühmt ist ein marmorner Portraitkopf der Kaiserin Crispina, gefunden in Schwarzrheindorf. Eine vom Landesmu-seum gefertigte Kopie ist im Heimatmuseum ausgestellt. Auch dieser Frauenkopf könnte mit Abbruchmaterial des Lagers zum Bau des Stiftes auf die rechte Rheinseite gekommen sein, zumal trotz gezielter Grabungen Spuren einer militärischen Niederlassung oder einer zivilen römischen Siedlung hier fehlen.

Text: Hildegund Ferdinand

Bilder: Horst Kollack