Bonner Portland Zementwerk Oberkassel

Im ersten Stock des Steinhauses im linken Raum wird die industrielle Entwicklung Beuels präsentiert.
Sehr beeindruckend ist die Lithographie von 2,05m Länge und 1.08m Höhe an der rückwärtigen Wand des Raumes. Auf dem Bild ist die „Bonner Zementfabrik des Bergwerks—und Hüttenvereins Oberkassel bei Bonn“ zu sehen. Das Bild wurde anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Fabrik (1906) geschaffen und zeigt die Zementfabrik zur Zeit einer sehr rentablen Produktionsphase. Man schaut auf einen großen Werkskomplex am Rhein mit lang gestreckten Verladeanlagen am Ufer. Heute ist von dem Zementwerk in der Landschaft nicht mehr viel zu erkennen.
Ende 1987 führten wirtschaftliche Verhältnisse zur Einstellung des Betriebes. Ab 1988 wurde die Fabrik abgerissen, bis auf das Verwaltungsgebäude, die Direktorenvilla, die Rohmühle und den Wasserturm.

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Die genannten Gebäude wurden saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Am ehemaligen Standort der Fabrik befinden sich heute neben der ausgebauten Rheinpromenade moderne Verwaltungsgebäude und Tourismusflächen. (Bonner Bogen).

Die Zementfabrik ist eng mit dem Namen der Familie Bleibtreu verbunden. Anfang des 19. Jahrhunderts erwarb Bergmeister Leopold Bleibtreu Nutzungsrechte einer Braunkohlengrube auf der Holtorfer Hardt. Auf der Suche nach der wirtschaftlichen Nutzung der Braunkohle stieß er auf den bemerkenswerten Alaungehalt in der Braunkohle. Alaun als chemischer Rohstoff ist von Bedeutung in der Färberei, Gerberei, Leimherstellung und als Medikament. Leopold Bleibtreu gründete 1806 die erste Alaunhütte auf der Hardt, zwei weitere folgten. 1814 beschäftigte er rund 100 Arbeiter.
Hermann Bleibtreu, ein Sohn von Leopold Bleibtreu, führte den Portlandzement in Deutschland ein. Er war in seinem Freundeskreis durch einen Architekten auf den in England hergestellten Portlandzement aufmerksam gemacht worden und hielt es für möglich, in Deutschland mit einheimischen Rohstoffen einen qualitativ ähnlichen Zement zu produzieren. Das Ergebnis seiner Forschungsarbeiten führte dazu, dass sein Verfahren 1853 patentiert wurde. 1855 gründete Bleibtreu im pommerschen Zülchow bei Stettin eine Zementfabrik, die mit dem Portlandverfahren ar-beitete. 1856 entschloss sich der Bonner Bergwerks- und Hüttenverein, der 1853 als Aktiengesellschaft entstand, für den Bau einer Portland-Zementfabrik in Oberkassel. Da der Kalk zur Zementherstellung aus Budenheim bei Mainz geholt werden musste, der Ton aus Floersheim am Main, entschloss man sich für einen Standort am Rhein. Als Brennstoff wurde zunächst die Braunkohle von der Hardt genutzt.
Im Laufe der Zeit vergrößerte sich das Werk; gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine große Werft- Verladeanlage. Auf Grund technischer Verbesserungen und starker Nachfrage stieg die Zementherstellung bis 1933 stark an. Nach 1933 wurde die Produktion weiter erhöht für den Bau von Autobahnen, für Industrie- und Rüstungsbauten (z.B.Westwall). Im zweiten Weltkrieg entstanden dem Zementwerk keine größere Schäden, und nach dem Krieg konnte 1948 der Betrieb wieder aufgenommen werden.
1964 hatte das Werk 430 Beschäftigte. In den Folgejahren wurde die wirtschaftliche Lage schwieriger. 1985 fusionierte das Beueler Zementwerk mit der Dykerhoff AG, die Ende 1987 das Werk schließen ließ. Im Jahr darauf begann der Abriss und der lange, noch andauernde Weg zum „Bonner Bogen.“

Quelle: A. Hoschützky/C. Müller: Die Aktie der Bonner Bergwerks-und Hütten-Verein AG. in: Der Anschnitt 59,2007,H.2-3

Text: Hildegund Ferdinand