Das Backsteinhaus

Im Backsteinhaus, Wagnergasse 2, ist die geschichtliche Entwicklung des Beueler Raumes von der Vorgeschichte bis zur kommunalen Neuordnung im Jahre 1969 dargestellt, als Beuel Stadtbezirk von Bonn wurde.

Im Erdgeschoß ist links vom Eingang die Vorgeschichte vom Mammut über den Neandertaler bis zum Oberkasseler Menschen ausgestellt, dann die Bronzezeit mit zwei herausragenden Stücken, einmal einem Riesenkeil, wie er im Rheinland nur in wenigen Exemplaren vorhanden ist, und dem Bronzedolch aus Pützchen.

Aus der Römerzeit besitzen wir zahlreiche Funde aus dem rechts- und linksrheinischen Bonn. Besonders eindrucksvoll sind drei römische, auf wissenschaftlicher Grundlage nachgebildete Rüstungen. Eine davon, ein Kettenhemd, trägt ein lebensgroßer, vollständig ein gekleideter Le gionär, dessen komplette Ausrüstung derjenigen der Zeit des Kaisers Augustus entspricht, als das Bonner Lager gegründet wurde. Die beiden anderen Rüstungen sind ein Schuppenpanzer und ein Schienenpanzer „segmentata“. An römischen Waffen ist neben denen des Legionärs ein Einpfünder, eine „ballista“, vorhanden, alles in Handarbeit originalgetreu nachgebildet.

Die Peutinger‘sche Karte unterrichtet uns über die Gestaltung römischer Marsch- und Reisekarten und zeigt unter anderem auch das Bonner Lager.

Rechts vom Eingang ist die Zeit der Franken repräsentiert durch den „Dollendorfer Stein“, einem fränkischen Grabstein, dessen Darstellung eines Mannes mit verschiedenen Zeichen der Macht man als die früheste Christusdarstellung im Rheinland ansieht. Daneben sind dort Waffenfunde aus Gräbern (Lanzenspitzen, Sax und Franziska – die Wurfaxt der Franken –), Haarspangen und Gewandfibeln ausgestellt.

Die acht klappbaren Wandtafeln berichten über die Zeit 1300 – 1700. Sie verweisen auf wiederholte Pestzeiten und die oft und nachhaltig auftretenden Kriegswirren im Bonner Raum wie den Truchsessischen oder den 30-jährigen Krieg, die dieses blühende Land verheert und arm gemacht haben.

Die dargestellte kirchengeschichtliche Entwicklung reicht von der Gründung des Reichsstiftes Vilich mit seiner Kirche 978 und der Verehrung der Hl. Adelheid, der romanischen Doppelkirche Schwarzrheindorf und ihrer Geschichte bis zur Zerstörung der Vilicher Pfarrkirche durch ein Hochwasser der Sieg im 18. Jh. und dem Ende der alten Herrlichkeit Vilich Anfang des 19. Jhs.

An die hiesige Bedeutung des Deutschen Ritterordens erinnert eine originalgetreu nachgearbeitete Ritterrüstung mit dem Ordensmantel.

Weitere Themen sind die Zerstörung Vilichs im 30-jährigen Krieg, der Kampf um die Beueler Schanzen, aber auch die Geschichte des Adels, des Bauerntums und des Rechtslebens.

Objekte wie das Siegburger Steinzeug verweisen auf Handwerk, Handel und Verkehr am Rhein mit der Gierponte aus kurkölner Zeit.

Im ersten Stock ist die Entwicklung der Selbstständigkeit Beuels von der kurfürstlichen Zeit über die französische Epoche bis in die Zeit der preußischen Herrschaft dargestellt. Sie beginnt mit der Flucht des Kurfürsten Max Franz und der Ära des Bürgermeisters Stroof, der mit seinen Aufzeichnungen ein genaues Bild seiner Zeit hinterlassen hat. Die Entwicklung der Gesetzgebung von den Justinianischen Gesetzen zum Code Napoleon, kartographische Arbeiten aus dem Ende der kurfürstlichen Zeit und die Vermessung der Rheinlande sind Beispiele hierfür.

Weiterhin ist im ersten Stock die Zeit vom 19. Jahrhundert bis zum 1. Weltkrieg dargestellt durch die beginnende Industrie, beispielsweise Bonner Zementfabrik, Jutespinnerei und weitere Beueler Firmen. Die erste Rheinbrücke und das Brückenmännchen sind ebenfalls vertreten. Im Treppenhaus finden sich gemalte, geschnitzte oder Marketeriearbeiten und Intarsien von Beueler Künstlern mit Beueler Motiven.

Im zweiten Stock ist die Zeit vor dem 1. bis zum Ende des 2. Weltkrieges im Raum rechts dargestellt, im linken die Zeit nach dem Krieg bis zur kommunalen Neuordnung im Jahre 1969.


Besondere Exponate:

Die goldene Fränkische Fibel
Das Brückengeld
Der römische Weihestein
Die Gemarkungskarte
Das Zementwerk
Max Franz
Officium der Madonna