Rheinaustraße

Zu der Zeit, als Beuel noch nicht eingemeindet war, führte die Rheinaustraße vom Ortsteil Vilich-Rheindorf bis Limperich, also fast vom Norden der Gemeinde bis zum Süden.


Allerdings hatte diese Straße im Laufe ihres Bestehens verschiedene Namen.
Im Adressbuch von 1896 hieß sie von der Pappelallee bis zum Bröltalbahnhof Rheinstraße, im Adressbuch von 1904 Rheinaustraße.
Vom Bröltalbahnhof in südlicher Richtung hieß sie zeitweise Fährgasse – Adressbuch von 1893 – oder Feldfahrweg längs des
Rheinufers oder- wie viele ältere Beueler sich erinnern- Rheinstraße.
Mit Ratsbeschluss v. 21.12.1953 wurde das Stück von der Einmündung der Ernst-Moritz-Arndt-Straße bis zum Ende Uferstraße benannt.
Heute verläuft die Rheinaustraße durchgehend von der Wolfsgasse bis zur Einmündung des Wolkenburgweges.

Die „Ringsche“, so werden die Bewohner dieser Straße im Volksmund genannt, sind schon immer die Leidtragenden bei Hochwasser gewesen.
Zwar hat die Gemeinde Beuel im Jahre 1926 einen Hochwasserdamm gebaut, der aber nicht die Rheinaustraße schützen sollte, sondern Schwarzrheindorf.
Erst vor einigen Jahren begann die Stadt Bonn mit der Planung des Hochwasserschutzes für die Rheinaustraße. Noch in diesem Jahr wird der Schutz bis zur Ringstraße fertig sein.
Diese Straße längs des Rheines wies schon immer Bedeutungsvolles auf.
So liegt an ihr das Stationsgebäude der Schmalspurbahn, die 1862, zunächst von Pferden gezogen, ihren Betrieb aufnahm, um Erze und später Basalt- und Grauwackegestein aus dem Westerwald an den Rhein zu transportieren. Heute ist das Stations-gebäude ein Restaurant, das beliebte „Bahnhöffje“.

Ab 1870 bis Anfang der 60iger Jahre des 20.Jh. fand auch eine Personenbeförderung statt.
Nach Verlegung des Verwaltungssitzes der „Rhein-Sieg-Eisenbahn AG“ von Hennef nach Beuel 1917 wurde das heute noch bestehende stattliche Dienstgebäude in der Rheinaustraße 110 -112 errichtet.
(Quelle: Denkmalpfade im Stadtbezirk Beuel, zweite Auflage)

In Höhe der Einmündung der Combahnstraße befand sich bis 1794 Die „fliegende Brücke“, die Gierponte, eine Fähre für Güter und Personen.
Etwa an dieser Stelle, an der sich heute ein Parkplatz befindet, steht das Kriegerdenkmal, das an die Gefallenen des Krieges von 1870/71 erinnert.
Dahinter, findet man auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Haus Mehlem.
Es zählt neben der Hauptpost und dem Lippischen Palais in Oberkassel zu den wenigen erhaltenen spätbarocken Patrizierhäusern in Bonn.
1785 wurde es von der Familie Mehlem erbaut. Der Vorgängerbau war durch das „Jahrhundert“ Hochwasser 1784 zerstört worden.
1917 ging das Gebäude in den Besitz der Stadt Bonn über und sollte, da der Zustand sich zusehends verschlechterte, im Zuge der Brückenerweiterung in den 70ger Jahren abgerissen werden.
Retter des Hauses war der sich 1975 gründende „Verein Haus Mehlem“. (heute: Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch e.V.
(Quelle: Denkmalpfade im Stadtbezirk Beuel, zweite Auflage)

Mit der Hausnummer 212 bzw. Ringstraße 1 endet die rechte Straßenseitenbebauung in der Rheinaustraße.
An dieser Stelle befand sich bis zum Wiederaufbau der bei Kriegsende zerstören Rheinbrücke eine Auto- und Personenfähre.
Eine große Wiese mit Schatten spendenden Bäumen begleitet die Rheinaustraße bis zum Ende des gemauerten Ufers. Ab hier ist sie nur für Fußgänger, Radfahrer und Anlieger frei.
Parallel dazu gibt es einen asphaltierten Weg direkt am Wasser entlang, der aber bei höherem Wasserstand des Rheines nicht zu nutzen ist.

Zwei Wassersportvereine mit Restaurants sind beliebte Ausflugsziele nicht nur für Beueler.
Die rechte Rheinseite heißt nicht umsonst „die Sonnenseite Bonns“. An heißen Sommertagen laden die Wiesen zum Ausruhen und Sonnen ein; allerdings ins Wasser sollte man nicht mehr gehen.

Das schon erwähnte „Bahnhöffje“ und die „Rheinlust“ sind ebenfalls gastronomische Betriebe, von deren Terrassen Rhein und Bonn zu genießen sind.
Die Gaststätte „Zur Erholung“ wird als Geburtsstätte der Beueler Weiberfastnacht genannt; heute feiert u.a. der Schifferverein dort seine Feste, und sie ist im übrigen noch immer ein „Beueler“ Lokal, in dem die deutsche Küche nicht kalt wird.
Zahlreiche Straßen münden in die Rheinaustraße bzw. überqueren sie. Von Nord nach Süd sind dies folgende: Wolfsgasse, Kaiser-Konrad-Straße, Combahnstraße, Friedrich-Breuer-Straße, Marienstraße, Steinerstraße, Johannesstraße, Königsheimstraße, Ringstraße, Ernst-Moritz-Arndt-Straße, Rhenusallee und Wolkenburgweg.
In der Rheinaustraße wohnen bedeutet Leben mit dem Strom, mit seiner Schönheit, aber auch mit seinen Tücken.

Text: Gertrude Jöbsch