Karmeliterstraße

Warum wird heute die Karmeliterstraße beschrieben?
Lange bevor die Buchdruckerkunst und in deren Folge die Faksimile-Druckerei bekannt war, haben Mönche aufgeschrieben, was sie bewegte. Nur sie und vereinzelt auch kluge Frauen waren zu ihrer Zeit des Lesens und Schreibens mächtig. Zu diesem Personenkreis gehörten auch die Karmeliten.

Sie sind Mitglieder des römisch-katholischen „Ordens der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel“, der um das Jahr 1150 am Karmelgebirge im heutigen Israel gegründet wurde und der Tradition des Eremitentums entspringt.

1688 erwirkte Pater Florentius, Generalkommissar der niederrheinischen Provinz der Karmeliter, dass seinem Orden die Wallfahrtsstätte am Adelheidis-Brunnen übertragen wurde. Er errichtete Anfang des 18.Jh. einen Konvent aus zwölf Priestern und vier Laienbrüdern und erbaute Kloster und Wallfahrtskirche.

Im deutsch-französischen Krieg dienten die Klostergebäude in den 1790er Jahren den kaiserlichen Armeen als Lazarett.
Als die Karmeliter in den Tagen der Säkularisation (12.09.1803) das Kloster verlassen mussten, zog 1815 in das weitläufige Gebäude der Unternehmer Leopold Bleibtreu zunächst als Pächter ein. 1825 kaufte er das Anwesen.
Im Jahre 1843 verkaufte Leopold Bleibtreu den Besitz an den preußischen Staat, der dort ab 1847 eine „Detentionsanstalt für verkommene Weibspersonen“ einrichtete.
1866 wurden die Gebäude an Dr. Leopold Besser vermietet, der dort betreuender Arzt einer Einrichtung für Geisteskranke wurde.
1873 kaufte Dr. Besser die Gebäude. Ein Brand 1887 griff auf die benachbarte Kirche über und zerstörte die barocke Innenausstattung.
1890 übernahm Dr. Peipers die Leitung und die Gebäude der „Anstalt“, die er 1920 an die Ordensfrauen vom Heiligen Herzen Jesu –Sacré coeur- verkaufte.
Nachdem diese Schwestern einen Neubau errichtet hatten, übernahmen die Unbeschuhten Karmelitinnen von Köln das alte Klostergebäude, in das sie im März 1926 ihren Einzug hielten.
Seitdem dient das Gebäude dem Karmel St. Joseph.

Anfang des Krieges wurde der Konvent aufgelöst und die Gebäu-de wiederum Lazarett. Nach dem 2. Weltkrieg kehrten die Unbeschuhten Karmelitinnen in ihr Kloster zurück, in dem sie bis 1998 wohnten. Das Kloster und das gesamte Gelände wurden verkauft und zu einer Wohnanlage umfunktioniert.
Die Karmeliterstraße verläuft in Pützchen von der Alten Schulstraße im Bogen bis zur Marktstraße.
Sie kreuzt die Friedenstraße und mündet in die Marktstraße.
An dieser Stelle steht die Pfarrkirche von Pützchen, auf der anderen Straßenseite das Albertus-Magnus-Altenheim.
Neben der Kirche beginnt die Klostermauer, die auch heute noch das gesamte Areal umschließt. Wo die Straße ihren Bogen macht, befindet sich das Restaurant Café Klosterpforte. Dort war früher die Hostienbäckerei der Karmelitinnen untergebracht.
Ein paar Meter weiter, vor der Einfahrt zur Tiefgarage mündet die Straße Am Karmelkloster in die Karmeliterstraße.

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Noch viel mehr Straßennamen in Pützchen erinnern an das frühere klösterliche Leben rund um den Adelheidisbrunnen.