Alt Gensem, Im Gensem, Gensemerstrasse

Was bedeutet dieser Begriff, der gleich dreimal im Ortsteil Beuel- Schwarzrheindorf als Straßenname vorkommt?

Doch zunächst die Lage dieser Straßen. „Alt Gensem“ liegt parallel des Hochwasserdammes und der Gensemerstraße und knickt nach ca. 100 Metern im rechten Winkel Richtung „Auf dem Hirschberg“ ab und verläuft nun ein kurzes Stück parallel zur Straße „Im Gensem“ und endet als Sackgasse. „Alt Gensem“ wird erstmals im Amtsblatt von 1978 erwähnt.

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Die Straße „Im Gensem“ begrenzt Schwarzrheindorf im Norden, beginnt im Westen an der Gensemer Straße und endet im Osten an der Bergheimerstraße. Sie wird im Adressbuch von 1904 zum ersten Mal erwähnt. Vorher hieß sie „Gensum“ oder „Gensum am Berg“.

Die „Gensemer straße“ beginnt am nördlichsten Aufgang zum Hochwasserdamm, läuft zu diesem parallel in südlicher Richtung und mündet in die Arnoldstraße.

 

Gedicht anlässlich des Gensemer Straßenfestes im Jubiläumsjahr 1989:

Dem Caesar war sein Rom zu klein, die ganze Welt, die sollt es sein.
Wo ist denn nur das Pardies, das man schon in der Bibel pries?
So zog er suchend hin und her, durchkreuzte Wüsten, Wald und Meer.
Da kam er nach Germania, sein Ziel, das war Gesonia!
Da kam der Rhein ihm in die Quere, (es gab damals noch keine Fähre!)
Die Brücke ließ er bau’n mit Bäumen, nun war er näher seinen Träumen!
Florus, der Dichter, beschrieb es sehr; ihm und dem Gensem gebührt die Ehr’.
Denn ohne dieses Namenspaar, hätt’ Bonn niemals zweitausend Jahr.

„Gensemer Straße“ wird sie im Adressbuch von 1904 erstmalig genannt. Im Lagerbuch der Gemeinde Beuel von 1858 heißt sie Gensemer Gasse.

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Betrachtet man die Karte dieser Region so fällt auf, dass sie eine eingeschlossene Fläche bildet, die südlich von der Arnoldstraße und östlich von der Bergheimerstraße begrenzt wird.
Im Volksmund heißt dieses Gebiet hinter der Doppelkirche seit altersher „Em Jensem“.
Die Gelehrten sind sich bis heute nicht einig, woher der Name kommt.
Fest steht, dass der vorgeschichtliche Mensch sich von Osten aus dem Siegtal kommend einen Weg zum Rhein suchte, um diesen zu überqueren und die Maas zu errei-chen. 1908 entdeckte Funde auf dem Kirchplatz von Schwarzrheindorf weisen auf eine Siedlung hin, die sich auf dem Gebiet des „Gensem“ befand.
(Quelle: Geschichte der Gemeinde Beuel, 1. Teil; Prof. Dr. Heinrich Neu, 1950)

Spätere Funde, besonders die Hinweise auf einen Friedhof, belegen, dass auch die Franken sehr früh, bevor die Römer den Rhein verließen, hier eine Siedlung errichteten.
Lange Zeit glaubte man, dass das in dem römischen Geschichtswerk von Lucius Annaeus Florus benannte „Borma“ eine verderbte Schreibweise für „Bonna“ und das benannte „Caesoriacum“ (in der zweiten erweiterten Auflage der Denkmalpfade im Stadtbezirk Beuel ,Seite 7 „Gesonia“ benannt) für „Gensem“ sei. Der römische Feldherr Drusus solle diese beiden Orte durch eine Brücke verbunden haben. Diese Vermutung ist überholt.
Im folgenden ist aufgeführt wie die Bezeichnung „Gensem“
sich durch die Jahrhunderte entwickelte:

1858 In der topographischen Karte von Rheinland und Westfalen (1841 – 1858) ist Gensem als Ortsbezeichnung eingetragen.
1824 Kataster-Uraufnahmen im Archiv des Katasteramtes der Stadt Bonn, Flur 13 Gensem, im Gensem, In den Gensemer Baumgärten.
1656 Kirchenbücher von Vilich ab 1656 nennen „Gensem“
mündlich „Jeisem“.
1574 (Urkunde v. 09.08.) Bestand Schwarzrheindorf im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf Genßwasem
1485 (Urkunde v. 05.11.) Bestand Schwarzrheindorf im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf Genswasen
1449 (Urkunde v. 11.11.) Bestand Schwarzrheindorf im
Hauptstaatsarchiv Düsseldorf Genswasem
1390 (Urkunde v. 28.05.) Bestand Vilich im Hauptstaats-archiv Düsseldorf Genswasem.
Belegt ist nur in den oben aufgeführten Vilicher und Schwarzrheindorfer Urkunden ein „Gänsewasem“ (Gänseweide), der auch Wohnplatz war. Aus dem „Gänsewasem“ ist durch Abschleifen „Gensem“ geworden.
(Studien zur Heimatgeschichte des Stadtbezirks Bonn-Beuel Heft 22 „Alte und neue Straßennamen im Gebiet der ehemaligen Stadt Beuel“; Johannes Bücher, Bonn 1980)