Lutherbibel – Sonderausstellung Hochwasser in Beuel

Seit dem 30.November 2013 ist im Beueler Heimatmuseum eine Sonderausstellung zur Thematik „Hochwasser in Beuel“ zu sehen. Als besonders interessantes Exponat wird eine Luther-Bibel aus dem Jahr 1627 gezeigt mit Kommentaren von Daniel Cramer (1568-1637). Cramer in Reetz in Westpommern im heutigen Polen geboren, war deutscher lutherischer Theologe, Chronist und Autor.

Bezüglich unserer Ausstellung hat die Bibel heimatgeschichtliche Bedeutung, da zwischen dem Alten und Neuen Testament sich eine Seite mit handschriftlichen Eintragungen zum Hochwasser von 1784 im Raum Beuel befindet. Das genannte Hochwasser war eins der folgeschwersten im Rheinland.
Der Januar des Jahres 1784 war bitterkalt. Auf dem Rhein hatte sich eine feste Eisdecke gebildet. Man konnte ihn zu Fuß und mit Pferd und Wagen überqueren. Es wurde auf dem Rhein sogar Markt abgehalten und ein Schützenfest gefeiert.
Ende Februar 1784 zerbrach die Eisdecke, sie setzte sich in Bewegung, Wassermassen und Eisschollen ergossen sich über das Beueler Flachufer und zerstörten Hunderte von Häusern. In Bonn drang das Hochwasser bis in den Kreuzgang des Münsters vor. Auch Hermann Michels aus Oberkassel berichtet auf dem Blatt aus der „Luther- Cramer Bibel über die riesigen Zerstörungen durch das Hochwasser. „ ….Zu Oberdollendorff unten an den Berggassen wurden die Leute in grosse Gefahr gesetzet von dem Rhein daß er in etliche Höfche ist eingelaufen. Zu Beuel finden sich nicht mehr als 4 oder 5 Häuser ,welche noch aufrecht sind blieben. …Die Weinstöcke musste man alle abhauen so wohl an dem Berge als im Thale.“
Die Bibel wurde dem Beueler Heimatverein von Frau Herta Münch aus Bonn im Jahr 1999 geschenkt. Die Familie der Spenderin stammt aus Oberkassel. Frau Münch berichtete, dass ihr Urgroßvater(+1830 ) auf der Simonstraße in Oberkassel ein Haus (Nr.3 oder Nr.5) gebaut hat, auf dessen Dachboden man später die Bibel gefunden hat.
Ob die Bibel aus dem Familienbesitz stammt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Die Bibel befindet sich in schlechtem Zustand, eine Restaurierung des Buches ist sehr aufwendig und teuer.

Der Fundort Bonn- Oberkassel ist bekannt durch die frühe Gründung einer reformierten Gemeinde in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit war reformatorisches Gedankengut im Rheinland weit verbreitet. Der Kurfürst und Erzbischof Hermann von Wied (Amtszeit : 1515-1547 ) unternimmt unter Einfluß des Reformators Martin Bucer einen Reformationsversuch in Köln. 1543 kommt auch Melanchton nach Bonn, um Bucer zu unterstützen. Bucer führte die Gottesdienste in deutscher Sprache durch. Der Herzog von Jülich-Kleve-Berg war ebenfalls für die Reformation und erlaubte seinen Priestern die Heirat und dem Volk den Empfang des Abendmahles in beiden Gestalten (Brot und Wein). Der damalige Pfarrverweser in Oberkassel Georg Kniff war ver-heiratet und ein Befürworter der Reformation.

Doch der Beginn der Reformation wurde durch Kaiser Karl V. gestoppt. Als der Kaiser im Erbstreit um das Herzogtum Geldern Herzog Wilhelm bei Jülich besiegte, musste sich dieser verpflichten, die Reformation nicht mehr zu unterstützen. Der Erzbischof Hermann von Wied wurde vom Papst gebannt und zur Abdankung gezwungen.
Oberkassel wurde danach wieder katholisch, die evangelische Gemeinde lebte zunächst im Verborgenen weiter.
1682 wurden die reformierten Gemeinden im Herzogtum Berg anerkannt. Unter Pastor A. Wurm wurde 1695 an der Ecke der heutigen Königswintererstraße -und Zippstraße eine eigene Kirche errichtet. Sie war lange Zeit die einzige evangelische Kirche beiderseits des Rheins. Selbst Bonn kam erst 1816 zur Gründung einer evangelischen Gemeinde.
(Quelle: Bonner Geschichtsblätter 36, Bonn 1984 )