Mit dem Nachtwächter durch Bonn

„Ich hoffe, ihr seid anständige Christenmenschen und nicht so ein Gesindel von der anderen Rheinseite“, mit diesen Worten empfing der Nachtwächter 40 Mitglieder und Freunde des Heimat-und Geschichtsvereins am Brassertufer.


Bevor er sich mit dem nächtlichen Horn ankündigte hatte seine Frau, das Kathrinchen, darauf hingewiesen, dass der Ton des Nachtwächters etwas rau und deftig sei, dass er laut und mahnend durch die nächtliche Stadt zöge, weil Herumtreibende und Wege-lagerer eines harten Wortes bedürfe.
Uns ermahnte er immer wieder mit den Worten: „Seid bescheiden! Gott wird wachen, Gott wird schützen“!
Seine Aufgabe sei groß, so erzählte er. Nicht nur Gesindel bedrohe die kurfürstliche Residenz. Auch Feuer, Pest und Krieg waren im 17. Jahrhundert die Feinde der Menschen.
Der Nachtwächter benötigte Hilfe beim Gang durch das nächtliche Bonn. So bestimmte er Laternenträger, die die Flanken schützten und das Schlusslicht bildeten.
Er führte uns durch das „alte Bonn“, d. h. manche Plätze und Gebäude, wie z. B. das kurfürstliche Schloss, die Universität, gab es noch nicht.
Durch die Straße der Bäcker, die Sternstraße, die übrigens nichts mit Sternen zu tun hat, sondern deren Bezeichnung sich vom Lateinischen „pistrina = Bäckerei“ ableitet, führte unser Weg zum Sterntor. Dieses stand zunächst an anderer Stelle. In der Pflasterung von der Sternstraße zum Friedensplatz ist die genaue Stelle sichtbar.
Das Kathrinchen öffnete eine Tür im Sterntor und holte Getränke und einen Korb mit Brot als Wegzehrung heraus. Während der kurzen Pause erzählte der Nachtwächter von den Kölner Fischweibern, die durch verdorbenen Fisch die Pest nach Bonn gebracht haben sollten oder der Bäckertaufe, die dem Bäcker zuteil wurde, der zu kleine Brote backte.
Weiter ging es durch den Florentiusgraben, an der alten noch sichtbaren Stadtmauer vorbei bis zum Münsterplatz.
Hier endete der vergnügliche und informative Gang mit dem Nachtwächter. Doch zuvor wurde einer aus der Gruppe an den Pranger vor dem Münster gestellt. Er hatte ein Schild umhängen, auf dem sein Vergehen bemerkt war: Ich habe während der Prozession Schnaps getrunken.