Maibäume, Eierkronen und Johanniskränzlein

Vierzig interessierte Zuhörer hatte Dr. Alois Döring vom Landesverband Rheinland, als er von Maibräuchen besonders im Bonner Raum berichtete.

Zunächst erfuhren wir aber, wie es überhaupt dazu kam, den ersten Mai und die Nacht davor zu feiern.

Der Mai als Wonnemonat ist schon seit dem Mittelalter bekannt. Die mittelhochdeutsche Lyrik beschreibt die Freude über das Ende des Winters und die sich belebende Natur. Diese wurde mit Spaß und Spiel gefeiert.

König Pippin der Kurze verlegte 755 die jährliche Heeresversammlung vom 1. März auf den 1. Mai. Damit war die wichtigste Zeit der ritterlichen Treffen und Turniere in die sich neu findende Natur verlegt. Festliche Umzüge mit Maiengrün sind ab dem 13. Jahr-hundert sowohl in der höfisch-ritterlichen als auch in der städtisch-bürgerlichen Welt bezeugt.

Ende des 19. Jahrhunderts bildete sich der 1. Mai als Arbeiterfeiertag (Tag der Arbeit) heraus.

Wir erfuhren einiges über die Walpurgisnacht, die aber mehr im Osten Deutschlands erlebt wird, und das erst wieder seit dem Fall der Mauer.

Im Rheinland liegt die Gestaltung der Maibräuche in den Händen von Junggesellenvereinen, die im Köln-Bonner Raum seit dem 18. Jahrhundert bekannt sind.

Diese Vereine geben sich Statuten, nach denen sie entweder nur im Monat Mai oder das ganze Jahr hindurch handeln. Junggesellenvereine sind für eine dörfliche Gemeinschaft wichtig.

Sie beteiligen sich an Festen, übernehmen auch soziale Aufgaben und sind in katholischen Gegenden oft mit den Kirchenfesten im Jahreskreis verbunden.

Eine wichtige Funktion im Maibrauch nimmt das Mailehen ein. Die unverheirateten jungen Frauen eines Ortes werden den Junggesellen für eine bestimmte Zeit als Lehen übertragen.

In früheren Zeiten, als das Dorf der Mittelpunkt der Welt war, verstand sich der Brauch des Lehens oft als Probeehen. Der dörfliche Heiratsmarkt konnte so zu Gunsten von Binnenheiraten reguliert werden, und die Heiratsfähigen fanden sich in einem fest definierten Kreis.

Die Rituale, die beachtet werden mussten, waren oft heftig. Das aus Bayern bekannte „Fensterln“ wurde in unserer Region „Schlut“ genannt. Der Begriff bezeichnet den dicken Strohhelm, den der junge Bursche tragen musste, um gegen eventuelle Schläge gefeit zu sein. Heute heißt das Fensterln Windowing.

Heute stellt sich die Frage, ob der Brauch des Mailehens frauenfeindlich ist. Manche Junggesellenvereine haben für die jungen Mädchen und die Inaktiven zur Betreuung eine Frauenbeuftragte gewählt; andere nehmen Frauen auf, doch eine Versteigerung von Junggesellen ist noch nicht erfolgt.

Allerdings ist es in manchen Orten üblich geworden, das Aufstellen von Maibäumen anders zu handhaben: In einem Schaltjahr, z.B. 2012 stellen die Mädchen ihrem Liebsten einen Maibaum vor die Tür.

Seit Mitte der 1890er Jahre war die katholische Kirche bestrebt, dem „Arbeitermai“ die Verehrung Mariens entgegen zu setzen und einen sozialen Zuschnitt zu geben. Da der heilige Josef schon seit dem 19. Jahrhundert als Patron der Arbeiterbewegung galt, legte Papst Pius XII. den Gedenktag „Josefs des Arbeiters“ auf den 1. Mai.

Überhaupt ist die katholische Kirche im Wonnemonat sehr präsent. Die erste Maiandacht wird meistens feierlich eröffnet. Dr. Döring konnte sich, genau wie einige Zuhörer, noch daran erinnern, dass in seiner Kindheit auch zu Hause ein Maialtärchen geschmückt wurde, vor dem die Familie das Abendgebet verrichtete.

Je nach Kalender fallen auch die Feste Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam in den Mai.

Noch nach dem 2. Weltkrieg gingen sogenannte Bittprozessionen drei Tage vor Christi Himmelfahrt durch die Felder. Die Bitte um eine gute Ernte sollte der zum Himmel auffahrende Christus mitnehmen.

Die Taube ist das Symbol für den Heiligen Geist, ebenso das Feuer, und wurde in früheren Zeiten auch oft realistisch in Kirchen dargestellt.

In der Mailiturgie nimmt das Lied „Maria breit den Mantel aus“ den vornehmsten Platz ein.

In manchen Kirchen ist das „Beiern“ am Vorabend der Feste oder vor dem Hochamt noch üblich. Beim Beiern werden Glocken von Hand in einem bestimmten Rhythmus melodisch angeschlagen. Der Rhythmus ist von Kirche zu Kirche verschieden, lustige Merksprüche ließen sich darauf machen. Für Beuel galt:

Beuel, Pützche, Hangelor,

Vilich, Müldorp, Jesselor

Zum Schluss wies uns Dr. Döring noch auf die Bedeutung des Windens von Kränzlein zum Johannistag hin: Sieben- oder neunerlei Kräuter und Pflanzen banden Mädchen und Jungen zu Kränzen, die sie oft mit Draht verstärkten, damit sie sich besser werfen ließen.

Am Johannistag wurden diese Kränze auf die Dächer von Haus und Hof geworfen, um den Heiligen zum Schutz vor Brand und Unwetter anzurufen.

Bei den Kräutern und Pflanzen wurde eine Auswahl getroffen zwischen Bärlapp, Beifuß, Eichenlaub, Farnkraut, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen.

Damit endete ein informativer und zum Teil lustiger Abend über die Maibräuche.

Text: Gertrude Jöbsch

Wir danken Dr. Döring, dass er sein Manuskript für diesen Artikel zur Verfügung gestellt hat.