Vom Stammbuch zum Poesiealbum

Manch einer der Besucher dieser Ausstellung erinnerte sich schmunzelnd an seine eigene Kindheit.


Martin Gustorff, dessen Hobby das Sammeln und Restaurieren von Poesialben ist, hatte mit Museumsleiter Hans Lennarz zur Eröffnung der Ausstellung eingeladen.
Exponate aus dem 18. Jahrhundert waren zu sehen, deren Inhalte von vielen Besuchern nicht zu lesen waren, denn die zu der Zeit übliche Schrift- die deutsche Schrift- wird schon lange nicht mehr in Schulen gelehrt.
Um die schönen Sprüche doch noch erkennen zu können, gab es eine „Übersetzung“ mit der Schreibmaschine.
Die Alben waren nicht nur von ihrer äußeren Erscheinung her eine kleine Kostbarkeit – manche Buchdeckel waren bestickt oder mit Intarsienarbeit versehen – auch ihr Inhalt war beachtenswert. Er spiegelte Freundschaft und Geist der frühen Kindheit in der Zeit des Eintrags wider.
Bezugspersonen wie Eltern, Großeltern, Lehrer, Freundinnen und Freunde hatten ihre Wünsche und Ratschläge niedergeschrieben.
Manchmal wurde ein Bild dazu gemalt oder ein sogenanntes Glanzbild hinzugefügt.
Die Anzahl der Eintragungen gab Aufschluss über die Beliebtheit: Wer viele beschriebene Blätter in seinem Poesiealbum aufweisen konnte hatte eine gute Stellung in der Gemein-schaft. Herausgerissene Blätter bedeuteten oft das Ende einer Freundschaft.
Bei Jungen war der Besitz und das Pflegen eines Albums in der Regel nicht üblich. Sie schrieben aber wohl den Mädchen einen Spruch hinein. Vielleicht den folgenden:

Ich schreibe nicht gern ein langes Gedicht,

nur diese drei Worte vergiss mich nicht.

Die Ausstellung ist bis Ende November mittwochs, samstags und sonntags von 15.00 bis 18.00 Uhr zu besuchen.