Mit Jan von Werth durch Köln

Eine kabarettistische Stadtführung durch Köln versprach etwas Besonderes zu werden.
Als wir uns dann mit dem „jungen“ Jan van Werth an der Kreuzblume auf der Domplatte trafen, waren unsere Erwartungen groß.


Noch bevor wir an der alten Stadtmauer stehen blieben, hatte Jan schon auf seine Griet geschimpft, die angeblich immer zu spät kommt. Damit war die Tonlage an diesem heißen Nachmittag schon vorgegeben.
Keine Kaiserin, so erfuhren wir, hat es je erreicht, dass eine Stadt ihren Namen trägt. In Köln ist das geschehen.
Agrippina die Jüngere, die Mutter Neros, heiratete in zweiter Ehe ihren Onkel Claudius, der sie zur „Augusta“ – Kaiserin – machte.

Agrippinas Macht zu dieser Zeit zeigt sich in der Gründung der nach ihr benannten Stadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium.

Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Am Dom vorbei führte uns der Weg zur Dombauhütte, die unter der Domplatte liegt.

Hier werden die Maßnahmen für die ewige Baustelle Dom getroffen, die seit 948 besteht.

Der Sage nach glaubte noch der erste Dombaumeister, Gerhard von Ryle, dass der Dom zu seinen Lebzeiten fertig würde. Er schloss eine Wette mit dem Teufel ab. Dieser meinte, er würde einen Bach von Trier nach Köln leiten, bevor das Bauwerk vollendet sei. Die Seele Gerhards sollte ihm gehören, wenn er die Wette gewinnt. Als Baumeister Gerhard einige Zeit später Entengeschnatter unterhalb des Domes hört, und er einen Bach vorüber rauschen sieht, erinnert er sich an den Packt mit dem Teufel. Um ihm nicht seine Seele zu überlassen, springt er in die Tiefe. In der Gestalt eines Hundes springt der Böse hinter ihm her und verschwindet für alle Zeiten mit dem Leichnam.

Nicht ganz so spektakulär, aber nicht weniger bekannt, ist Kardinal Frings, dem die Kölner ein Denkmal errichteten. Er hat nach dem Krieg den Kölnern Mut und Kraft gegeben, in ihre total zerstörte Stadt zurückzukehren, um sie vor allem im alten Geiste wieder aufzubauen.

Am Heinzelmännchenbrunnen, den wir nun ansteuerten, weiß Jan uns von des Schnei- ders neugierigem Weib zu berichten, das die Heinzelmännchen zu Fall brachte. Seit der Zeit müssen die Kölner selber arbeiten.

Im Hof der Kölnisch Wasser -Firma „Farina Gegenüber“ befindet sich ein Brunnen, der die Geschichte der Hl. Ursula und ihrer 11000 Gefährtinnen erzählt, die hier von den Hunnen getötet wurden. Das vorlaute „Griet“ meinte, die närrische Zahl 11 habe hier ihren Ursprung.

Von einem Frauenaufstand berichtete Griet. Die Frauen, im Mittelalter die Seidenmacher, wehrten sich gegen die Bezeichnung „Seidenmachergasse“. Sie wurde umbenannt in „Seidenmacherinnengasse“.

Am alten Rathaus machten wir Halt und erfuhren vom „Schicksal“ der steinernen Figuren.

Nach der Wiederherstellung nach dem Krieg wurden die Figuren mit einem Überzug versehen, der nicht wetterbeständig war und den Stein zum Bersten brachte. Erst in jüngster Zeit wurde die endgültige Restaurierung vorgenommen.

Der Weg über den Alter Markt, vorbei an einer der berühmten Kölner Lachfiguren – dem Kallendrisser – führte uns zum Denkmal Jan von Werths.

Hier erfuhren wir nun auch die Geschichte der Beiden: Jan, ein armer Bauernsohn vom Niederrhein, wollte die Tochter des reichen Bauern erringen. Griet wies ihn ab und Jan stellte sich als Soldat dem Kaiser im 30jährigen Krieg zur Verfügung. Er gelangte zu hohen Ehren und wurde General. Nach dem Krieg ritt er durch Köln und sah an einem Marktstand Griet Obst – und Gemüse verkaufen. „Griet, wer et hät jedaach“, Jan, wer et hät jewoß“. So endete die Geschichte von Kölns berühmten Liebespaar.

Noch einmal blieben wir stehen: Am lebensgroßen Denkmal von „Tünnes und Schäl“.

Wer kennt sie nicht, die liebenswerten Witzfiguren, und so war es nicht verwunderlich, dass aus der Gruppe noch manch ein zünftiger Witz dem Repertoire von Jan und Griet hinzugefügt werden konnte.

„Kurzweilig, vergnüglich, einfach toll“, meinten die „Mitläufer“, als wir uns später bei einem Glas Kölsch erholten.