Besuch des Kanzlerbungalows

Groß war das Interesse von 20 Mitgliedern und Freunden des Heimat- und Geschichts-vereins an dem Gebäude, das zur Zeit, als Bonn Bundeshauptstadt war, den meisten Kanzlern als Wohnhaus diente.

Inhaltlich und organisatorisch wird der Bungalow vom Haus der Geschichte geleitet, das

Auch die führungskraft zur Verfügung stellt.

Bei einem kurzen Gang durch den noch winterlichen Park wurden uns wertvolle Bäume gezeigt. Jeder Kanzler pflanzte seinen eigenen.

Bis 1964 residierten die Kanzler im Palais Schaumburg, dem schlossartigen Gebäude, das zu Zeiten des letzten deutschen Kaisers seine Schwester Viktoria bewohnte. Von dem großen Park umgeben, der sich bis zum Rhein erstreckt, gehörte und gehört die pracht-volle Villa noch heute zu den schönsten Gebäuden Bonns.

Bundeskanzler Erhard ließ in seiner Regierungszeit den jetzigen Kanzlerbungalow er-bauen.

Sein Nachfolger Kiesinger ließ 1967 die Inneneinrichtung austauschen, Brandt behielt seinen Wohnsitz auf dem Venusberg bei, Helmut Schmidt kritisierte die Enge des Gebäu-des und ließ sich in der Besenkammer eine Teeküche einbauen.

Lediglich Helmut Kohl soll sich hier wohl gefühlt haben.

Seit 1999 stand das Gebäude leer. 2005 nahm sich die Wüstenrot-Stiftung seiner an, um es zu revitalisieren und zu einem öffentlichen Ort der Zeitgeschichte zu machen.

Nach der Instandsetzung spiegelt die Inneneinrichtung der Eingangsräume und von Arbeits- und Musikzimmer den Zustand von 1964 wieder. Das Speisezimmer repräsen-tiert die Umbauten aus der Kohl-Ära.

Erstaunlich, zu hören, dass die Kanzler für ihre privat genutzten Räume Miete zahlen mussten.

Für uns, die wir Bonn als Bundeshauptstadt hautnah 40 Jahre miterlebten, war der Nachmittag ein Ausflug in die Vergangenheit.