Besuch des Kölner Friedhofs Melaten

Was liegt näher, als einen geschichtsträchtigen Friedhof im November zu besuchen? 25 Mitglieder und Gäste des Heimatvereins machten sich auf, dieses zu tun.
Als Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts verbot, die Toten innerhalb der Städte zu beerdigen, entstand vor den Toren Kölns der Friedhof Melaten. Woher dieser Name stammt, ist ungewiss; man vermutet von einer alten Flurbezeichnung. Die Deutung von malade= französ. krank, ist umstritten.

Seine Ausdehnung beträgt 43 Fußballfelder, 55 000 Tote ruhen hier.
Unser Weg führte uns zunächst durch die sogenannte Millionenallee. Hier haben reiche Kölner eine Gruft oder ein Mauseleum für sich und ihre Angehörigen erworben im sogenannten Patenschaftssystem. Dieses System sorgt für den erhalt und die Restaurierung vieler historischer Grabmale. Der Pate sucht sich ein ‚Grab, dessen Nutzungsdauer abgelaufen ist. Er bekommt ein Anwartsrecht auf diese Grabstelle, wenn er diese pflegt. Nutzungsgebühren fallen erst an, wenn er selber dort beerdigt wird.
Von fast jedem dieser prächtigen Grabmale wusste unsere Führerin eine Geschichte zu erzählen. So z. B. von dem Puppenspieler, der Anfang des 19. Jahrhunderts das „Hänneschen“ erfand.
Aus dem Osten kam die Familie Millowitsch und machte ihm Konkurrenz. Eine neue Figur wurde erfunden: Scheel. Der Bildhauer, der das Grabmal vom Hänneschen schuf, gruppierte alle Figuren des bekannten Kölner Hänneschen Theater um es herum. Der Mann mit dem „Bibi“ trägt einwandfrei die Züge des alten Millowitsch.
Aufgefallen sind uns Grabsäulen im neogotischen Stil. Sie stammen aus der Zeit – Mitte 19. Jahrhundert- als der Kölner Dom vollendet wurde.
Der dort verwendete Baustil wurde auch für die Grabmale benutzt.
Zum Grabmal der Familie Boisserée hörten wir folgende Geschichte: Napoleon sammelte Kölns Kunstschätze und schenkte sie seinem General Boisserée für dessen Verdienste. Dieser versuchte, sie später an die Stadt Köln zu verkaufen. Da Köln kein Geld hatte, bot er den Schatz in München an. König Ludwig I. von Bayern erwarb die altdeutschen und niederlän-
dischen Meister für die Alte Pinakothek.
Versteckt in einer Ecke stand ein Grabmal, auf dessen Rückseite die Namen von Napoleons Schwester und Bruder zu lesen waren.
Manche alte Grabmale sind mehrmals verwendet worden. Auf ihrer Rück-
seite sind meistens die Namen der Erstverstorbenen eingemeißelt.
Ein bekanntes Patenschaftsgrab ist das des Sensenmannes. Es wurde von dem Bildhauer August Schmiemann für den Kaufmann Johann Müllemeister geschaffen. Die Paten, die Steinmetz Familie Steinus, ließ dort ihren kleinen Sohn beerdigen. Die Grabstelle schmückt ein Frosch.
Der Spitzname des Kleinen war „Fröschlein“.

Noch viele anrührende Geschichten hörten wir an diesem Nachmittag. Sie alle wiederzugeben, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen.
Letztendlich waren wir froh, dem nasskalten Novemberwetter zu entkommen, um in Bonn eine Schlussrast abzuhalten.