Studienreise an die Ostsee

19. Oktober

Eine lange Fahrt lang vor uns, als 46 Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins sich am frühen Sonntagmorgen an der St. Josef Kirche trafen. Das Ostseebad Kühlungsborn, unser Reiseziel, lag nach Aussage des Busfahrers ca. 600 km von uns entfernt.

Doch auch dieser erste Reisetag war schon kurzweilig und informativ. Jeder Mitreisende bekam eine Mappe ausgehändigt, in der nicht nur die die einzelnen Ausflugsmöglichkeiten beschrieben waren, sondern auch ganz praktisch Dinge, wie Teilnehmerliste, Fahrpläne und Stadtpläne eingeheftet waren.

Der uns allen sympathische Busfahrer versorgte uns mit allerlei Getränken an Bord und hielt zur Mittagszeit Würstchen und Suppe bereit.

So erreichten wir in der vorgegebenen Zeit Kühlungsborn und warfen noch kurz einen Blick auf die Ostsee. Das Hotel war in seinen allgemeinen Räumen äußerst großzügig und auch die Zimmer ließen keinen Wunsch offen. Die Gruppe war zufrieden.

Ein reichhaltiges Buffet, nicht nur an diesem Abend, auch an den folgenden. bot mehr. als nur Sättigung.

Bus fahren macht müde und so verabschiedeten wir uns bald, um für den anderen Tag gerüstet zu sein.

20. Oktober

Am Montagmorgen um 9.00 Uhr bestiegen wir wieder einen Bus, um einen Teil von Kühlungsborn kennen zu lernen und in das 6 km entfernte Heiligendamm zu fahren. Heiligendamm, das älteste Seebad an der Ostsee so wurden wir belehrt, als wir an einem großen Steinwall entlang der Ostsee standen, verdankt seinen Namen einer Legende: Vor langer Zeit lebten hier in einem Kloster Zisterzienser Mönche. Eine große Flut kam und die Leute, arbeiteten schwer, um der Flut Herr zu werden. Doch die Natur war stärker. Die Leute waren erschöpft und gaben auf. Da begannen die Mönche zu beten, und siehe da, am anderen Morgen war entlang der See ein Damm aus dicken großen Steinen entstanden; ein ‚heiliger Damm’.

Auffallend in Heiligendamm die prachtvollen weißen Häuser. Bäderarchitektur nennt man diese Stilart. Was an Baustilen der Jahrhunderte schön war, hat man hier zu einem vereint. Heiligendamm war auch das Bad der DDR Funktionäre und ist nach der Wende restauriert worden und gehört heute zu einer der schönsten Ostseebäder.

Wir wanderten von hier zurück nach Kühlungsborn; etwa 7 km. Der Weg führte einige von uns direkt am Wasser entlang, die anderen bevorzugten den Weg durch den Wald.

Am Nachmittag fanden sich einige zusammen, um Kühlungsborn zu Fuß zu erkunden, schöne Cafés auszusuchen und Geschäfte anzusehen.

21. Oktober

Alle hatten sich entschlossen, zusätzlich eine Fahrt nach Wismar zu buchen. Wismar gehört mit seinem gesamten Stadtkern zum Weltkulturerbe. Hier ist das Bild einer mittelalterlichen Stadt noch vollständig erhalten. Weithin sichtbar auch für ankommende Schiffe, der Turm der Marienkirche. Da sie im 2. Weltkrieg zerstört wurde, hat man sie vor einigen Jahren bis auf den Turm abgerissen. Um sich ein Bild von der Größe und dem Grundriss dieser Kirche machen zu können, wurden die Fundamente in Backstein etwa 80 cm über dem Boden nachgebaut. Mitten drin steht der alte Brennofen, in dem die Steine zur Zeit des Baus der Kirche gebrannt wurden.

Ausgrabungen neben dem Kirchturm lassen auf eine ehemalige Schule schließen.

Im Hafen konnten wir die Kogge besichtigen, ein Schiff, das zur Zeit der Hanse versenkt wurde, und vor einiger Zeit gehoben werden konnte.

Über Boltenhagen, einem kleinen Seebad, ähnlich wie Heiligendamm, fuhren wir zurück nach Kühlungsborn.

22. Oktober

Heute fuhr uns der Bus nach Schwerin, der Landeshauptstadt von Mecklenburg –Vorpommern. Als nach der Wende eine kommunale Neuordnung erfolgte, stritten sich die Städte Rostock und Schwerin um den Sitz der Landeshauptstadt. Da Schwerin zwar die geringere Einwohnerzahl hat, aber ein Schloss besitzt, einigte man sich auf Schwerin.

Die Fahrt dorthin führte uns über die höchste Erhebung an der Ostsee.: die Kühlung, 116 m hoch, ein Überbleibsel aus der Eiszeit.

Das Schloss in Schwerin ist 1871 gebaut. An ihm sind alle Baustile, die bis dahin bekannt waren, verwandt worden. Beachtenswert ist der Garten. Die Innenausstattung ist präch-tig. Das, was wie Stuck oder Marmor aussieht, ist eine in aufwendiger Technik hergestellte Imitation aus verkleisterten Papier- und Pappschnitzeln.

23. Oktober

Dieser Tag versprach ein goldener Oktobertag zu werden und so nutzten die meisten von uns ihn zu Spaziergängen an der langen Uferpromenade oder in das Landesinnere.

24. Oktober
Durch die für Norddeutschland so bekannten Alleen fuhren wir nach Lübeck. Lübeck, genau wie Wismar eine alte Hansestadt, war bis zur Wende Grenzstadt zur DDR; uns Westdeutschen deshalb bekannter. Trotzdem erfreuten wir uns erneut am Holstentor, dem Budenbrockhaus, der Backsteingotik des historischen Rathauses, der Marienkirche und den alten Patrizierhäusern. Die Schiffergesellschaft ursprünglich ein Lokal für die Seeleute, heute ein gemütliches Restaurant und nicht zuletzt der Besuch des Cafés, in dem das Marzipan hergestellt wird, waren Höhepunkte des Tages.

25. Oktober

Auch heute verhieß Petrus einen schönen Tag und so genossen die, die am Donnerstag noch z. b. nach Bad Doberan gefahren waren, den heutigen Tag in der Sonne. Andere sahen sich das Doberaner Münster an, ein gotisches Bauwerk, einst ein Zisterzienser Kloster, mit erstaunlichen historischen Aussagen. Die Gegend, in der wir uns befinden, ist über die Jahrhunderte hinweg stark von dänischen und schwedischen Imperatoren beeinflusst worden, das z. B. in Grabplatten und Epitaphen sichtbar ist.

Das nächste Tagesziel war die Hansestadt Rostock. Auch die Rostocker Autofahrer dürfen genau wie die Hamburger, Bremer, Wismarer und Lübecker das „H“ in ihrem Kraftfahrzeugkennzeichen führen.

Als im Jahre 1669 sich die Hanse auflöste, bestand sie noch aus neun Mitgliedern. Die Deutschen unter ihnen dürfen sich heute noch „Hansestadt“ nennen.

Eine zweistündige Fahrt auf der Warnow bis zur Mündung durch den Rostocker Hafen beschloss diesen letzten Tag und auch die Reise.

26. Oktober
Pünktlich um 8.15 Uhr verließen wir Kühlungsborn, um nach einer guten Fahrt mit bester Verpflegung seitens unseres Busfahrers um 16.45 Uhr unseren Startpunkt zu erreichen.

Allen hatte die Reise gut gefallen und niemand vergaß die Frage: „Wohin fahren wir nächstes Jahr“.