Eisenkunstguss: Ofen-, Kamin- oder Takenplatten

Im vorigen Jahr konnten wir eines Tages im Hof des Heimatmuseums gusseiserne Platten bewundern.

Dem Museum wurden die Platten von Georg Meidt, der früher Prokurist der Eisengiesserei Rübenach in Beuel war, geschenkt. Sein Kollege Heinrich Esser, langjähriger Werkmeister, hatte sie nach dem zweiten Weltkrieg überarbeitet und zum Teil neu gegossen. Georg Meidt sammelte sie, musste sich aber von ihnen trennen, als er sein Haus in Ramersdorf aufgab. Demnächst werden diese Platten unseren Besuchern zugänglich gemacht.

Fotos: Horst Kollack

Nachfolgend eine Einführung:

Gusseiserne Ofenplatten haben zahlreiche Sammler und Liebhaber.
Im Rheinland, an der Mosel und anderwärts sieht man die sog. „Taken“ mit ihrem bildlichen und ornamentalen Schmuck heute vor allem an Hauswänden, Mauern und in Häusern selbst, wo sie aber auch kaum mehr zu Heizung, sondern vielmehr der Dekoration dienen.

Zwischen Mosel und Saar waren seit dem 15. Jh. die gegossenen Eisenöfen weit verbreitet; sie waren kastenförmig mit ihren in Modeln gegossenen Bilderplatten aus Eisen, die je nach Wunsch des Besitzers biblische Darstellungen, Bilder aus der antiken und eigenen Überlieferung etwa der Sagen und Historie oder auch Wappen und Rankenwerk schmückten. Mit solchen Öfen konnte man je nach Vermögen einfache oder Doppelöfen aufstellen oder zum Herd wärmende Kaminplatten für mehrere Räume im Haus anbringen. Sie waren oft wirkliche Schaustücke und dazu weit verbreitet wie etwa das Schmuckstück eines solchen Ofens auf der Burg Trausnitz, als besonders repräsentatives „Takenschaff“. Als solche bezeichnete man vor allem auch die kleineren Kastenöfen und sogen. „Hinterlader“, Doppelöfen, die vom Flur aus bedient wurden und die Stuben des Bauern oder Bürgers heizten.

Die gusseiserne Kamin- oder Takenplatte (frz. taques = Abdeckung) wurde in einem Wanddurchbruch eingesetzt und gab so die Wärme des Küchenfeuers in das Wohnzimmer
weiter, neben Warmluftschleusen eine frühe Form der Etagen-heizung, bis im 18. Jh. Rundöfen die alten aus Eisen mit ihren Reliefbildern verdrängten.

Soweit alte Takenplatten nicht eingeschmolzen wurden als sogen. Alteisen, haben viele Menschen ihre „Bibel in Eisen“ oder andere künstlerische Darstellungen – oft nach Vorbildern von angesehenen Künstlern und Holzschneidern – erhalten.
Oft wurden solche Platten auch zum Auslegen als Bodenplatten oder Abdeckung von Brunnen und Gruben verwendet und blieben so bis heute erhalten und können geborgen werden. So blieben uns solche Platten vielfach erhalten und wurden bei steigender Wertschätzung nicht nur restauriert, sondern auch nachgegossen. Oft hatten die Darstellungen auf den alten
Eisenöfen einen Leitgedanken oder ein Programm in ihren Darstellungen nach der Bibel, den Heiligenlegenden, historischen Begebenheiten und Stadtansichten u. a., die wir aus den Teilen oft noch sinnvoll zusammen kriegen und ergänzen können.

Die Anbetung der hl. drei Könige

Foto: Horst Kollack

Vielfach werden aber die gegossenen Blumenkörbe, Wappen, historischen Einzelgestalten rein dekorativ genutzt oder haben einen festen Bezug zu einem Bau oder einer Familie.

Das gewachsene Interesse an den gusseisernen Bildern – die kaum einmal unabhängig von der Heizungsnutzung gegossen wurden – eine Ausnahme bildet die spätgotische Ma- donna mit Kind des Meisters der gotischen Halbfiguren im Trierer Landesmuseum – nutz-te vor allem die Firma Buderus für ihre Nachgüsse alter Ta-kenplatten (ca.300) in ihrem Werk in Hirzenhain/Hessen, wo bereits 1375 eine Wald-schmiede erwähnt wird.

Dort ist auch ein Archiv und eine Sammlung im Museum für Ofenplatten, Plastiken, Reliefs, kunstgewerbliche Gegenstände aus 5 Jahrhunderten Eisenkunstguss von der Eifel, dem Westerwald, Hessen bis nach Schwaben, Schlesien und dem Elsass.