Fahrt an die Ahr

Diesmal war für die fast 40 Teilnehmer, die sich zur Fahrt an die Ahr angemeldet hatten, nicht nur das Wandern auf dem Rotweinwanderweg angesagt.

Die überwiegende Mehrheit wollte die Dokumentationsstätte Regierungsbunker besichtigen.

Der Bunker hieß offiziell Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland.

Vor fast 40 Jahren, als allgemein befürchtet wurde, dass aus dem Kalten Krieg einmal ein „heißer„ werden könnte, wurde in einer ursprünglichen Eisenbahnröhre „Der Rosengarten – oder auch Wartesaal des Todes genannt“ gebaut.

Oberhalb der Römervilla in Ahrweiler liegt das teuerste öffentliche Bauwerk der Bundesrepublik. Geschätzte drei bis Fünf Milliarden Mark hat der Ausbau zur Bunkeranlage Marienthal als Ausweichsitz im Krisen – und Verteidigungsfall gekostet. Im Falle eines Angriffes, insbesondere mit Atomwaffen, sollte der Bunker als eine Art Arche Noah der politischen Elite die Regierungsfähigkeit sicherstellen.

Diese Dokumentationsstätte ist nach der Berliner Mauer das bedeutendste Denk- und Mahnmal des Kalten Krieges.

Die Einrichtung war einfach und zweckmäßig. Sie bot 3.000 Personen bis zu 30 Tagen Überlebensmöglichkeit. Für den Bundespräsidenten und den Bundeskanzler war ein Bad mit Badewanne vorgesehen, die anderen benutzen eine Dusche.

Ein Raum war als Zahnarztpraxis eingerichtet ein anderer als Friseursalon.

Die ca. 19 km lange Röhre war so aufgeteilt, dass im oberen Bereich geschlafen, im unteren gearbeitet wurde. Auch ein Krisensaal war vorhanden.

Wer den Bunker betrat musste zunächst eine Schleuse und dann einen Duschraum zur Dekontamination passieren.

Im Laufe seines Bestehens mussten Regierungsbeamte immer wieder für einige Tage dort leben. Sie waren, genau wie das Wach- und Reinigungspersonal zur absoluten Geheimhaltung verpflichtet.

Die Unterhaltskosten beliefen sich auf 25 Millionen jährlich.

Die heute zu besichtigende Strecke beträgt 200 m.

Zur Wanderung hatten sich 15 Personen entschlossen. Vorgesehen war, bis Rech mit der Bahn zu fahren und von dort entlang der Ahr oder über den Rotweinwanderweg bis nach Marienthal zu wandern. Aber mit des Geschickes Mächten ist kein ewiger Bund zu flechten!

So konnten wir leider den Zug in Rech nicht verlassen, weil die Türe sich nicht öffnen ließ.

Frohgemut fuhren wir bis zur Endstation und wieder zurück bis Rech.

Etwas verspätet, aber glücklich über den Weg im lang ersehnten Sonnenschein erreichten wir das vereinbarte Lokal, wo Mittagessen und ein Ahrwein schon auf uns wartete.

Beide Gruppen waren von dem Tag sehr angetan.