Johanna und Gottfried Kinkel

Zur Zeit wird im ersten Stock des Steinhauses im Raum rechts fleißig renoviert und die Sammlung ergänzt. Der Raum versetzt uns in die Zeit des 19. Jahrhunderts. Die Dokumentation beginnt mit der napoleonischen Ära, berichtet über den ersten Bürgermeister von Vilich, Leonhard Stroof und würdigt die Anfänge der preußischen Herrschaft.

In der Glasvitrine und dem Glasschrank gegenüber dem Fenster finden wir Dokumente vom Dichter und Revolutionär Gottfried Kinkel und seiner Frau Johanna. Beide haben die Bonner Kulturgeschichte entscheidend mitgestaltet. Zu den Exponaten gehören ein Bild von Kinkel, seine Petschaft, ein Bericht über seine Gefangenschaft 1849 in Baden, ein Brief aus London, sein Epos > Otto der Schütz <, ein von ihm verfasster Gedichtsband, eine Biografie über Johanna Kinkel und Erinnerungsblätter, die Johanna Kinkel geschrieben hat.

Gottfried Kinkel wurde am 11.08. 1815 als Sohn des reformierten Pfarrers Kinkel in Oberkassel bei Bonn geboren. Nach seinem Abitur studierte er in Bonn und Berlin evangelische Theologie und war ab 1837 Dozent für Kirchengeschichte an der Bonner Theologischen Fakultät. Nebenbei war er ab 1839 Lehrer in Bonn und ab 1841 Hilfsprediger in Köln. Beide Posten verlor er, als er 1843 gegen großen Widerstand Johanna Mockel heiratete, die geschiedene Frau des Kölner Buchhändlers Mathieux. Die geschiedene Katholikin konvertierte, Gottried Kinkel selbst gab die ihm problematisch gewordene theologische Laufbahn auf. Die Universität ermöglichte es ihm, Dozent für Literatur und Kunstgeschichte zu werden.

Johanna Kinkel (1810-1858) war ihm geistig ebenbürtig. Sie hatte eine universelle Bildung, insbesondere eine langjährige fundierte musikalische Ausbildung. Die Mutter von vier Kindern komponierte, leitete einen Gesangsverein, gab Klavier- und Gesangsstunden.

Mit ihrem Mann und einigen Freunden gründete sie im Juni 1840 einen Dichterkreis, den >Maikäferbund< .Er war eine bedeutende Bonner literarische Vereinigung. Ihre Mitglieder trafen sich wöchentlich, um ihre literarischen Entwürfe vorzustellen. Die Zeitschrift des Bundes >der Maikäfer < gehört heute zu den Schätzen der Bonner Universitäts – Bibliothek .Unter dem Einfluss seiner Frau wandte sich Gottfried Kinkel mehr sozialen Problemen zu. Während der bürgerlichen Revolution 1848/ 49 vertrat er als Redakteur der Bonner Zeitung mit seinem Freund und Schüler Karl Schurz einen entschiedenen demokratischen und reformerischen Standpunkt. Als Vertreter der Demokraten wurde er in den Preußischen Landtag gewählt, der 1849 von König Friedrich Wilhelm IV. aufgelöst wurde.

Dagegen bildeten sich Aufstände, an denen sich auch Schurz und Kinkel beteiligten.1849 wurde Kinkel im pfälzisch- badischen Aufstand verwundet, gefangen genommen und zu lebenslänglicher Festungshaft verurteilt, aber 1850 von K. Schurz aus der Haft befreit.

Er floh nach England. Hier und 1851/52 in den USA hielt er kunstgeschichtliche und politische Vorträge. Seit 1866 war er Professor der Archäologie und Kunstgeschichte in Zürich, wo er am 13.11.1882 verstarb.

(Text: Hildegund Ferdinand)

Entnommen: Hermann Rösch: “Gottfried Kinkel” 2006; Lempertz G.m.b.H.

Foto: Horst Kollack