Geheimnisvolle Welten hinter Glas

Informationen zur Krippenausstellung von Jürgen Geyer vom 28.11.07- 23.01. 2008 im Heimatmuseum Beuel

Jürgen Geyer, Jahrgang 1958, geb. in Bitburg/ Eifel, ist seit 2007 Neubürger in Beuel – das Heimatmuseum Beuel liegt „gleich um die Ecke”, so dass die Idee zu einer Ausstellung seiner Krippen an diesem Ort mit Unterstützung des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel schon jetzt umgesetzt werden konnte.

Selbst gestaltete Kastenkrippen bilden den Mittelpunkt der Ausstellung im Heimatmuseum Beuel, dazu einige Originale und Faksimiles alter Krippen. Es gibt Beispiele für Kurioses und Kitschiges, aber auch die Neuschöpfung einer großen Krippe mit Stall, Landschaft und historischen Kirchenkrippenfiguren. Jürgen Geyer ist kein „Krippensammler”, der sich auf Stile oder Zeiten spezialisiert oder bestimmte Dinge möglichst vollständig besitzen will. Er ist auch kein „Krippenbauer”, der planmäßig nach alten Vorbildern oder eigenen Vorstellungen Krippenlandschaften oder -figuren erstellt.

Liebe zum Detail, Finderglück, Freude an Dingen voller Geschichte(n)
Seinen hier vorgestellten Fundstücken und Arbeiten ist eines gemeinsam: Sie verdanken sich seiner Liebe zu schönen alten Dingen. Diese müssen nicht in erster Linie materiell oder (kunst)historisch wertvoll sein. Viel wichtiger sind die Umstände, unter denen er sie entdeckt hat, sei es auf Flohmärkten oder Dachböden. Manches wird ihm von Freunden und Bekannten zugetragen.

Aus ihrem Zusammenhang gerissen, meist unvollständig oder auch beschädigt, regen Krippenfragmente seine Phantasie an. Manchmal erfährt man sogar noch, wann und wo sie gemacht worden sind, oder wem sie gehört haben. Alte Figuren haben auf jeden Fall vor Jahren Menschen viel bedeutet. Kinder haben sie zu Weihnachten angestaunt oder auch schon einmal so heftig mit ihnen gespielt, dass ihnen Gliedmaßen fehlen oder Ecken abgestoßen sind.

Vom Fundstück zur kompletten Komposition

Viele Fragmente ruhen jahrelang im Keller, – bis ein neuer Fund, ein schöner alter Rahmen, oder eine auf einer Wanderung gefundene Wurzel, eine Idee für eine Neukomposition entstehen lassen. Dann passt ein unscheinbarer alter Stoffrest genau zu den noch vorhandenen Kleidungsstücken kleiner Wachsfiguren. Dann werden ganz unorthodox kleine Plastikschafe aus dem Modelleisenbahnbau mit Tonfiguren aus Südfrankreich kombiniert. Eine noch vorhandene alte Weinkiste gibt die Proportionen und Grenzen für eine Krippenlandschaft vor, ein Bilderrahmen wird farblich angepasst und verglast – und wir blicken bei den Kastenkrippen durch die Scheibe in eine neu geschaffene Welt. Einige Meter Fachliteratur zu Krippen im Bücherregal sind mittlerweile zusammen gekommen. Beim Stöbern in ihnen wird das Auge für die Gestaltung geschult, die Herkunft und Geschichte der Funde erforscht und sie liefern Anregungen für die Restaurierungen oder Neuschöpfungen.

Bilder unserer Wünsche – und einer verlorenen Welt

Die Arbeiten von Jürgen Geyer wirken historisch und sind doch frischer und lebendiger als viele komplett gekaufte Nachbildungen alter Krippen. Jedes Stück ist ein Unikat voller Geschichte und Geschichten. Jede® Besucherin wird irgendetwas entdecken, was sie/er mit Weihnachten verbindet – und gleichzeitig etwas Neues sehen.
Gerade die Kastenkrippen sind „Bilder einer verlorenen Welt”. Für manchen werden sie zum Schaufenster in die eigene Kindheit und Heimat.

Sie stehen für die Idee der „heilen Welt”, die in der christlichen Botschaft von der Menschwerdung Gottes mehr ist als ein sentimentaler Anlass für ein winterliches Familienfest.
Die Kompositionen aus alt und neu, heil und beschädigt, stehen auch dafür, dass keiner von uns als Erwachsener das kindliche Weihnachten unbeschädigt ins Erwachsenenleben retten kann – und dass wir von der Erfüllung der Weihnachtsbotschaft vom „Frieden auf Erden” in unserer zerrissenen Welt weit entfernt sind.