Fahrt nach Kleve und Schloss Moyland

Ein fast voller Bus, Sonnenschein kurz nach Fahrtbeginn und hoch motivierte Leute waren die besten Voraussetzungen am Samstag, 11. August, für die Fahrt an den Niederrhein. Nur einige kannten den Rhein ohne Berge an seinen Ufern. Bekanntlich verlässt unser Heimatstrom mit Passieren der Kennedy -Brücke seinen Weg durch das Rheinische Schiefergebirge und fließt zügig durch die Rheinische Tiefebene seiner Mündung in Holland zu.

Unser erstes Ziel, Kleve, liegt am unteren Niederrhein an der deutsch-niederländischen Grenze. Die Stadt liegt nicht direkt am Rhein, sondern an einem alten Rheinarm (Kermesdal), der zu einem Kanal ausgebaut wurde. Der Name leitet sich ab von „Cliff“ = Klippe, Hang des Burgberges, einer Endmoräne aus der Eiszeit.

Kleve war Sitz der Grafen und Herzöge von Kleve und erhielt urkundlich verbriefte Stadtrechte im Jahre 1242. Große Brände zerstörten die Stadt 1368 und 1528.

Sie wurde jedes Mal wieder aufgebaut, und durch kluge Heiratspolitik kamen die Herzogtümer Jülich, Mark, Berg und Ravensberg zu Kleve. Im 16. Jahrhundert entsprach das Herzogstum Kleve etwa dem heutigen Nordrhein-Westfalen, ausgenommen die Fürstbistümer Münster und Köln. Durch Tod des letzten kinderlosen Herzogs erhielt Brandenburg Kleve, Mark und Ravensberg. 1647 wurde Moritz von Nassau –Siegen als Statthalter eingesetzt. Er veranlasste den Umbau der ursprünglich romanischen Schwanenburg in einen Barockbau.

Während der Stadtführung wurde uns die Schwanensage erzählt. Diese hier aufzuschreiben, sprengte den Bericht.

Den Burgberg hinauf erreichten wir in kurzer Zeit die Schwanenburg. Ausgrabungen in den Jahren 1999/2000 haben die Vermutung die Anlage sei römischen Ursprungs nicht bestätigt. Auch die Bezeichnung „Burg“ ist nicht korrekt; es handelt sich vielmehr um ein Schloss, das seit 1184 die Wohnung der Herzöge von Kleve war.

Heute ist die Schwanenburg Sitz des Klever Amts- und Landgerichts sowie der geologischen Sammlung des Heimatmuseums Kleve.

Bei unserer Ankunft in Kleve erwarteten uns die Führer an der Stiftskirche.

Ihre Grundsteinlegung erfolgte am 12. August 1341 durch Graf Dietrich IX. Es war die Geburtsstunde der klevischen Spätgotik auch niederrheinische Backsteingotik genannt, deren Form und Raumwille hier erstmals bekundet wurde. Der Baumeister, Konrad von Kleve, war gleichzeitig mit dem Dom in Xanten beschäftigt. Die Doppelturmfassade oder die Maßwerkformen sind noch gleich, der Innenraum aber ist typisch für die klevische Spätgotik: Die Mischung zwischen Basilika und Hallenkirche. Das Höhenverhältnis von Mittel- und Seitenschiffen entspricht zwar dem einer Basilika, aber es fehlt die von dieser geforderte Mittelschiffbeleuchtung. Die Fenster sind zu Blenden geschlossen und mit großen Maßwerkformen ausgefüllt. Die Fenster, von modernen Künstlern hergestellt, ließen viel Licht in die Kirche.

Nach der Stadtführung war Mittagessen angesagt. Einige besuchten das Museum B. C .Koekkoek – Haus Kleve, das die Werke des berühmen niederländischen Landschaftsmalers Barend Cornelis Koekkoek (Middelburg 1803 – 1862) beherbergt.

Hingewiesen wurden wir noch auf das Museum Kurhaus Kleve, das sich etwas außerhalb der Stadt am Rande der barocken Gartenanlagen des Johann Moritz von Nassau-Siegen befindet.

Unsere Fahrt führte uns weiter zu dem etwa 8 km entfernten Schloss Moyland.

Dieses Schloss feiert in diesem Jahr sein 700 jähriges Bestehen und ist allemal eine Besichtigung wert.

Verschiedene Adelsfamilien bewohnten in den kriegerischen Zeiten des Mittelalters Burg Moyland. Im 17. Jahrhundert wird die Burg durch den auf Repräsentation bedachten Alexander Feiherr von Spaen zum Schloss umgebaut. Seine schönen Alleen und der Schlosspark interessieren den brandenburgischen Kurfürsten und späteren preußischen König Friedrich I..Er macht es als Jagdschloss zu seinem Eigentum.1854–1860 wird das Schloss auf Veranlassung des damaligen Eigentümers Nicolaas Johan Steengracht durch den Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwinger im neugotischen Stil umgebaut. Eine Umgestaltung des Schlossparkes erfolgt Ende des 19. Jahrhunderts.

Im zweiten Weltkrieg wird Schloss Moyland zerstört. Erst mit dem Plan, hier ein Museum für moderne Kunst einzurichten, lässt sich die Wiederherstellung des Gebäudes – außen in der Gestalt des 19. Jahrhunderts, – innen als modernes Museum – verwirklichen.

Es beherbergt heute die Sammlung van der Grinten und das Joseph- Beuys Archivdes Landes Nordrhein- Westfalen.

Rückblickend auf diesen informativen Tag müsste man sagen, er hätte doppelt so lang sein sollen, um alles noch intensiver erleben zu können.