Fahrt nach Trier

Die größte Ausstellung, die je in Trier stattgefunden hat, beschäftigt sich in diesen Sommermonaten mit Konstantin dem Großen. Auch gab es noch nie eine Ausstellung solchen Umfanges, die sein Leben beleuchtete.

So war es für einen Heimat- und Geschichtsverein selbstverständlich, eine Fahrt dorthin zu organisieren.

25 Personen unternahmen die Fahrt unter sachkundiger Führung von Uwe Fich, einem Archäologen, der uns durch manche Führungen in der Kunst -und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland bekannt war. Schon beim Aufenthalt in Koblenz versuchte Uwe Fich, uns Konstantin näher zu bringen.

In Trier verweilten wir zunächst an der Rückseite des Domes, einem Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert, an dem Historie vom 4. bis 18.Jahrhundert abzulesen ist. Alle Stilrichtungen dieser Jahrhunderte sind deutlich erkennbar.

Weiter führte uns der Weg zum Rheinischen Landesmuseum an der Palastaula vorbei, einem Prunksaal oder Audienzhalle aus der Zeit Konstantins zu Beginn des 4. Jahrhundert. Leider ist nicht bekannt, wann genau die Halle gebaut wurde. Folgende Indizien weisen darauf hin, dass sie zur Zeit Konstantins des Großen errichtet wurde:

Für den Bau verwendete Ziegel tragen den Stempel einer Ziegelei, die auch die Baustelle Kastel Deutz, belieferte, die nachweislich auf 310 datiert ist. Eine im Mauerwerk der Vorhalle verborgene Bronzemünze aus dem Jahr 305 n. Chr., die bei Grabungen entdeckt wurde,die Lobrede des Eumenius von Autun auf Kaiser Constantinus, gehalten 310 n. Chr.

Das von Süden nach Norden ausgerichtete säulenlose Gebäude hat eine Länge 67 m, Breite von 27,5 m und Höhe von 30 m. Die Fenster in der Apsis sind kleiner als die übrigen. Dadurch entsteht der Eindruck von noch mehr Größe dieses imposanten Bauwerks, das heute von der evangelischen Kirche genutzt wird.

Das Rheinische Landesmuseum zeigt an vielen unterschiedlichen Exponaten Konstantins Weg zur Macht. Geboren wurde er 272 oder später in Nis.

Seiner Alleinherrschaft ging die Zeit der voraus, insgesamt 70. Dann folgte die von Diocletian eingeführte Vier Kaiserherrschaft = Tetrarchie. Die Söhne beerbten ihre Väter, und so erhielt Konstantin von seinem Vater Constantius Chlorus den Anspruch auf die Herrschaft, die dieser zusammen mit Maximian im Westen des Reiches ausübte. Constantius wählte Trier zur Residenz.

Nach seinem Tod 306 n. Chr. erhoben seine Truppen Konstantin zum Kaiser. Im Westen endete die Christenverfolgung, die 303 unter Diokletian begonnen hatte. Konstantin besiegte nach und nach die in der Tetrarchie Herrschenden sowohl im Osten als auch im Westen und gelangte 324 n. Chr. zur Alleinherrschaft im gesamten Reich.

313 n. Chr. erklärte er mit seinem östlichen Mitkaiser Licinius die Gleichberechtigung des christlichen Glaubens. Interessant zu sehen, wie an den Frisuren der Caesaren ihr Führungsstill zu erkennen war: Stoppelbart, Soldatenfrisur oder gabelartige Fransen in der Stirn.

Geteilte Beutestücke aus Silber oder gar der mit Edelsteinen besetzte Helm aus Berkasavo erregten unsere Aufmerksamkeit. Ein naturgetreues Modell des Konstantinbogens erinnerte manche von uns an ihren Rombesuch, wo das Monument unübersehbar ist.

Bevor wir das Museum verließen, warfen wir noch einen Blick auf die Kolossalstatue Kaiser Konstantins. Im Innern eines nur 5 m hohen Raumes (Maxentius Basilika) war die Statue im Maßstab 1:1 simuliert. In einer Mischung von klassischer Malerei und moderner Computertechnik war dies möglich.

Nach einer verspäteten Mittagspause besuchten wir das Diözesan- Museum. Hier beeindruckte uns das Konstantinische Deckengemälde, das angeblich aus dem Palast der Helena, der Mutter Konstantins stammt. Es stellt in 15 Feldern Symbole dar wie Freude, (Laetitia), Weisheit (Sapientia), Klugheit (Prudentia) etc.Wir sahen Fausta, die Ehefrau Konstantins, abgebildet, die später auf Veranlassung der Schwiegermutter ermordet wurde. Hier erfuhren wir auch vom Einfluss Konstantins auf das Konzil von Nicaea, in dem er unterstützt von Hilarius von Poitiers, den damals herrschenden Arianismus als Irrlehre verurteilte.

Zum Schluss unseres Besuches in Trier führte uns Uwe Fich zu einer Hauskirche, einer alten christlichen Versammlungsstätte aus Dura Europos aus dem 2. Jahrhundert. Sie wurde 1950 am Euphrat an der Grenze zum Irak ausgegraben.

Eine Fülle von Information hat dieser Tag gebracht; unmöglich alles zu behalten, unmöglich alles aufzuschreiben. Trotz Erschöpfung beim Heimkommen um 21.30 Uhr.